Auf den Facebookseiten einiger Online-Magazine kommt es trotz des im Juni 2017 beschlossenen Netzwerkdurchsetzungsgesetzes, das besagt, dass soziale Netzwerkbetreiber rechtswidrige Inhalte binnen 24 Stunden löschen sollen, vermehrt zu immer dreisteren, aber auch inhaltsloseren Diskussionen.

Eine kleine Ansammlung von Kommentaren, die wir auf dem Facebook-Auftritt der regional bekanntesten Zeitung, der Leipziger Volkszeitung (LVZ), finden konnten, soll uns einen Einblick in das abstruse Verhalten einiger Kommentatoren verschaffen. Die LVZ existiert seit bereits mehr als 120 Jahren und hat sich auch überregional zu einem einflussreichen Tagesblatt entwickelt. Die verkaufte Auflage beträgt rund 174.000 Exemplare. Dies lässt auf eine breite Masse an Lesern schließen.

Im Vergleich zum allgemein positiven Image der Zeitung sind zumindest die User, welche regelmäßig unter den Online-Beiträgen kommentieren, der Meinung, dass die LVZ sich zu sehr in das linkspolitische Milieu drücken lässt.

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Auf Rechtschreibfehler wird auch ständig sowie unsachlich von der bunten Mischung aus fake- und realen Accounts hingewiesen.

Ein Blick auf die Kommentierweise unter den aktuellen Beiträgen der LVZ zeigt, dass besonders gern politische Artikel kommentiert und geteilt werden. Unter diesen werden innerhalb weniger Minuten mehr Interaktionen erreicht als bei Beiträgen, die rein faktuell informativer sind und man dementsprechend vermuten mag, dass diese auch mehr diskutiert werden (sollten). Ein Beispiel dazu zeigen vergleichenderweise die folgenden Screenshots:

Außerdem fällt auf, dass unter jedem der politischen Artikel die gleichen Accounts kommentieren. Diese kennen sich anscheinend bereits und freuen sich immer wieder auf neue Diskussionen zum gleichen Thema. Wenn ein regelmäßiger Kommentator mal nicht in das Geschehen eingreift, wird er von seinen Mitstreitern sogar „vermisst“. (Gleiche Accounts wurden mit derselben Farbe markiert.)

Inhaltlich beschränken sich die Konversationen über die Zeit sogar auf beleidigende Verallgemeinerungen und persönliche Angriffe, aber natürlich erst, nachdem unter jedem Artikel die (sich ebenfalls ständig wiederholende, doch leicht umformulierte) Meinung kundgetan wurde.

Zudem ist so gut wie unter jedem Beitrag über Straftaten ein Kommentar vorhanden, welcher den möglichen Migrationshintergrund der Person aus dem Beitrag ergründen will, auch, wenn keiner vorhanden ist.

 

Die Kommentatoren berufen sich dabei meist auf zwielichtige und unseriöse Alternativquellen, was den Eindruck erweckt, dass es wiederum nur um provokante Statements und den „Spaß“ am kommentieren oder streiten geht und nicht darum, ein Thema sachlich und zielführend zu diskutieren.

 

Anscheinend geht es den Kommentatoren unter politischen Artikeln mittlerweile fast nur noch darum, zu provozieren. Die Möglichkeit, nie endende Fake-Accounts zu erstellen, bietet den meisten Involvierten eine Plattform zum pöbeln – natürlich alles „anonym“. Dies kann nicht nur dem Gegenüber schmerzen, sondern auch ein negatives Image auf eine Zeitung werfen. Neben all der Kritik darf man nicht vergessen, dass es ebenso Menschen gibt, die probieren, diese Streitgespräche zu besänftigen und tatsächlich eine bereichernde Diskussion führen wollten. Wer sich davon angesprochen fühlt: macht weiter so!

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